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Hochrangiger Fischereiforschungspreis für IOW-Pionier

Dr. Rebecca Asch (l.), Professorin an der East Carolina University und Expertin für marine Fischerei, überreicht den SPF Career Contribution Award an Dr. Jürgen Alheit (r.).
Jürgen Alheit (r.) erhielt den SPF Career Contribution Award aus der Hand von Rebecca Asch (l.), Professorin an der East Carolina University und Expertin für marine Fischerei. (Foto: Carl Alheit)

Am 8. Mai 2026 wurde Jürgen Alheit, langjähriger Wissenschaftler des IOW, im mexikanischen La Paz mit dem Small Pelagic Fish (SPF) Career Contribution Award ausgezeichnet. Mit dem Preis ehrten die North Pacific Marine Science Organization (PICES), das International Council for the Exploration of the Sea (ICES) und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) den Fischereibiologen für sein wissenschaftliches Lebenswerk. Die 2026 neu geschaffene Auszeichnung würdigt herausragende und nachhaltige Beiträge zum Verständnis und Management kleiner pelagischer Fische sowie besonderes Engagement für die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit. Alheit ist der erste Preisträger.

Jürgen Alheit, von 1992 bis 2013 am IOW tätig, prägte über mehrere Jahrzehnte die Forschung zu kleinen pelagischen Schwarmfischen wie Sardinen, Sardellen, Heringe und Sprotten. Diese Fischarten sind für marine Nahrungsnetze ebenso wichtig wie für die Fischerei: Sie machen mehr als 30 % der weltweiten Fischereifänge aus und bilden zugleich eine zentrale Nahrungsgrundlage für zahlreiche größere Meerestiere. Besonders beschäftigte Alheit die Frage, wie Klima- und Ozeanprozesse die teils enormen langfristigen Schwankungen ihrer Bestände beeinflussen. Dafür verband er unter anderem Untersuchungen zur Fortpflanzungsbiologie und zur Produktion von Fisch-Eiern mit Feldstudien, physiologischen Experimenten, Modellierung und der vergleichenden Auswertung langfristiger Fischbestands-, Ozean- und Klimadaten.

Seine Arbeiten trugen wesentlich zum Verständnis klimabedingter ökologischer Regimewechsel und großräumiger Bestandsentwicklungen in unterschiedlichen Meeresgebieten weltweit bei. Für die Ostsee untersuchte er unter anderem, wie Umweltbedingungen und Fischerei die Entwicklung von Dorsch- und Sprottenbeständen beeinflussen. Zu seinen besonders einflussreichen Beiträgen gehört außerdem eine internationale Synthese, die Ende der 1990er Jahre erstmals Bestandsdaten kleiner pelagischer Fische aus zahlreichen Weltregionen zusammenführte und vergleichbare, über Jahrzehnte ablaufende „Boom-and-Bust“-Muster sichtbar machte.

Ebenso prägend war Alheits Fähigkeit, Forschung über Länder- und Fachgrenzen hinweg zusammenzubringen. 16 Jahre lang leitete er die Initiative „Small Pelagic Fish and Climate Change“ des von der Intergovernmental Oceanographic Commission (IOC) initiierten Forschungsprogramms „Global Ocean Ecosystem Dynamics“, das sich schon sehr früh mit der Frage befasste, wie Klima- und Ozeanprozesse marine Ökosysteme beeinflussen. Später war er maßgeblich daran beteiligt, den weltweiten Austausch auf diesem Forschungsgebiet neu zu beleben und die SPF-Symposien auf den Weg zu bringen. Das erste von ihm mitorganisierte Treffen dieser Reihe in Kanada 2017 gab den Anstoß für die Zusammenarbeit von ICES und PICES, aus der später die heutige „Working Group on Sustainable Pelagic Forage Communities“ hervorging. Dass Alheits Rolle weit über wissenschaftliche Publikationen hinausging, zeigt auch seine Nominierung für den neuen Preis: Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ländern sprachen sich für ihn aus und würdigten ausdrücklich seine wissenschaftliche Gründlichkeit, seine Rolle als Mentor und seine besondere Fähigkeit, tragfähige internationale Netzwerke aufzubauen.

Dr. Jürgen Alheit (Jahrgang 1948) studierte Biologie und Chemie an der Universität Mainz sowie Meeresbiologie an der Universität Liverpool. 1980 promovierte er in Fischereibiologie an der Universität Kiel. Zu seinen beruflichen Stationen vor seinem Wechsel 1992 an das im selben Jahr neu gegründete IOW gehörten das peruanische Fischereiinstitut IMARPE in Lima-Callaodas, das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und die IOC in Paris. Schon früh war seine Laufbahn international ausgerichtet: 1983 nahm er an einer von FAO und IOC organisierten Expertentagung teil, die wichtige Impulse für eine global koordinierte Forschung zu Sardinen, Sardellen und anderen kleinen pelagischen Fischen setzte; später übernahm er dabei selbst führende Aufgaben.

PICES, ICES und FAO, die gemeinsam den neue SPF Career Contribution Award vergeben, gehören zu den zentralen internationalen Institutionen für Meeres- und Fischereiforschung sowie das nachhaltige Management mariner Ressourcen. PICES bündelt die wissenschaftliche Zusammenarbeit der Anrainerstaaten des Nordpazifiks, ICES koordiniert seit mehr als einem Jahrhundert internationale Meeresforschung im Nordatlantik und berät Politik und Fischereimanagement auf wissenschaftlicher Grundlage. Die FAO als Sonderorganisation der Vereinten Nationen setzt weltweit Maßstäbe für Ernährungssicherung sowie nachhaltige Fischerei und Aquakultur.

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