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Neue Wege für Benthos-Monitoring in der Ostsee:
Projekt BenthQual nimmt Fahrt auf

Die Flohkrebs-Art Ampithoe valida stammt ursprünglich aus den USA, wurde jedoch beim Küstenmonitoring des IOW im Jahr 2025 nun aber auch in der Ostsee detektiert.
Der Flohkrebs "Ampithoe valida", ursprünglich in den USA beheimatet, wurde 2025 beim IOW-Küstenmonitoring in der Ostsee entdeckt. Sein genetische COI-Fingerabdruck ist einer der ersten im BenthQual-Projekt. (Foto: AG Benthos)

Am 10. März 2026 startete das Projekt BenthQual mit der ersten Probennahme in seine aktive Forschungsphase. Ziel des Vorhabens ist, alle bekannten Makrozoobenthos-Organismen des Ostseegrundes genetisch zu erfassen und molekularbiologische Monitoring-Methoden für diese Tiergruppe weiterzuentwickeln. Das vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geförderte Projekt ist seit Dezember 2025 am IOW angesiedelt und läuft bis Ende November 2030.

Makrozoobenthos-Organismen – also mit bloßem Auge erkennbare Tiere, die im oder auf dem Meeresboden leben – sind wichtige Indikatoren für den Zustand mariner Ökosysteme. Veränderungen in ihren Lebensgemeinschaften geben frühzeitig Hinweise auf Umweltveränderungen. Im Zentrum des jetzt am IOW gestarteten Projekts BenthQual (kurz für: „Benthos-Qualitätssicherung – Weiterentwicklung von Monitoring-Grundlagen und methodischen Standards für benthische Arten und Lebensräume) steht die Frage, wie sich die biologische Vielfalt dieser Tiergruppe am Grund der Ostsee künftig präziser, effizienter und schonender erfassen lässt.

Ein zentraler Baustein des Projekts ist der Aufbau einer umfassenden genetischen Referenzbibliothek für das Ostsee-Makrozoobenthos. Dafür wird im Rahmen von BenthQual das sogenannte COI-Gen genutzt, ein DNA-Abschnitt in den Mitochondrien, der in fast allen tierischen Organismen vorkommt. Dieses Gen eignet sich besonders gut, um Arten eindeutig zu identifizieren, da es innerhalb von Arten kaum variiert, zwischen Arten jedoch deutlich. Auch schwer bestimmbare Entwicklungsstadien wie Eier oder Larven können mit dieser Methode zuverlässig einer bestimmten Art zugeordnet werden. Die genetische BenthQual-Referenzbibliothek soll letztendlich alle bekannten Ostsee-Arten umfassen – einschließlich eingeschleppter oder eingewanderter Neozoen.

Parallel dazu wird das sogenannte Metabarcoding als innovative molekularbiologische Monitoring-Methode für die Ostsee getestet. Dabei wird die gesamte DNA aus Umweltproben – etwa aus Wasser oder Sediment – gleichzeitig analysiert. Das Ergebnis ist eine Art genetische Inventarliste der in der Probe enthaltenen Organismen, die mithilfe von Referenzdatenbanken bestimmten Arten zugeordnet werden können. Auf diese Weise lassen sich auch seltene oder bislang schwer nachweisbare Arten erfassen – und das mit deutlich geringerer Störung der Lebensräume, als bei klassischen Methoden.

Durchgeführt wird das Projekt in der IOW-Arbeitsgruppe „Ökologie benthischer Organismen“ unter der Leitung von Michael Zettler. Die wissenschaftliche und operative Umsetzung liegt dabei maßgeblich in den Händen von Katharina Kniesz, die als Projektkoordinatorin die Probennahmen organisiert und durchführt sowie die methodische Weiterentwicklung vorantreibt. Die IOW-Forscherin, die klassische Benthos-Ökologie mit Expertise in modernster molekularbiologischer Biodiversitätsforschung verbindet, plant, um die fünf Mal pro Jahr vom Ufer aus und bei Forschungsfahrten aus verschiedenen Regionen der Ostsee Proben zu nehmen. Diese wird sie sowohl klassisch morphologisch als auch genetisch auswerten; die Ergebnisse fließen direkt in die Referenzbibliothek sowie in die Bewertung neuer Monitoring-Ansätze ein.

Langfristig soll BenthQual dazu beitragen, das Benthos-Monitoring grundlegend zu modernisieren und damit die Grundlage für den Schutz mariner Lebensräume und ein nachhaltiges Ostsee-Management zu verbessern.

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