
Zwischenbericht: FöJ in der AG Phytoplanktonökologie
Ich habe mein FöJ am IOW begonnen, um zu sehen, wie in der interdisziplinären Meeresforschung gearbeitet wird. Dadurch möchte ich mich entscheiden, ob es im Studium generell in die Meeresforschung und in Richtung Bio, Physik oder eine Kombination aus beidem gehen soll. Die Phytoplanktonökologie fand ich sehr spannend, da sie im Meeresökosystem so fundamental ist. Dadurch lassen sich die Folgen von Prozessen wie Eutrophierung und Klimawandel für die Ostsee genauer nachvollziehen.
Ganz am Anfang habe ich einen Überblick über die verschiedenen Arbeitsweisen der AG bekommen: Arbeit mit Wasserproben, eDNA, Chlorophyll und Zellkulturen an Fluorometer, Spektrometer, Licht- und Fluoreszenzmikroskop, Sterilbank, Imaging Flow Cytobot, unter Einsatz von Pipetten, Dispensern, Pumpen, Filtern, Rührern, Zentrifugen, Autoklaven. Ich hatte großen Spaß daran, mit so vielen neuen Geräten konfrontiert zu werden und ihre Funktionsweise zu verstehen.
Mit am meisten Freude hat mir dabei das Kennenlernen des Nährstoffanalyzers bereitet (der eigentlich kein Teil unserer AG-Arbeit ist) – der Höhepunkt seiner Ehrung dann bei der Weihnachtsfeier mit dem Analyzer-Gedicht. Bei meiner ersten Betrachtung von Wasserproben unter dem Mikroskop haben wir außerdem erleuchtende Ähnlichkeiten zwischen Phytoplanktonarten und Alltagsobjekten aufgedeckt – Tripos mülleri als Gebärmutter, Chaetoceros convolutus als Israfel aus Neon Genesis Evangelion, Prorocentrum micans als Granate. Ich war in der Einfindungsphase auch bei einer DNA-Extraktion dabei und habe einen misslungenen Isolationsversuch hinter mich gebracht. Dabei durfte ich Chaetoceros convolutus am Mikroskop stundenlang anstarren und durch diesen intensiven Blickkontakt haben sich die Zellen irgendwann nachts in meine Träume verirrt.
Mit der Zeit haben sich dann meine festen Aufgaben eingependelt: Darunter fällt erstens die wöchentliche Stegprobenahme bei Heiligendamm im Rahmen des IOW-Langzeitdatenprogramms. Im Nachgang filtriere ich das Chlorophyll aus einer Probe und bestimme den Chlorophyllgehalt im Wasser fluorometrisch. Dasselbe mache ich mit den Proben aus den MARNET-Forschungsschiffausfahrten, bei welchen drei Messstationen in der Ostsee auf ihre Messgenauigkeit überprüft werden. Auf zwei Ausfahrten mit der Elisabeth Mann Borgese durfte ich bisher mitfahren und innerhalb meines FöJ stehen noch drei weitere an. Insbesondere beim ersten Mal war es total spannend, zu sehen, wie es sich auf dem Forschungsschiff lebt, welche besonderen technischen Geräte an Bord eine Rolle spielen und worauf man alles achten muss. Dazu gehört das Wort „Matrose“ in den aktiven Wortschatz aufzunehmen, sich zu fragen, ob man die hochempfindliche Vakuumanlage der Toilette versehentlich zerstört hat und zu realisieren, dass anhaltende Müdigkeit auch unter Seekrankheit fällt. An Bord war ich dann auch zuständig für die Sauerstoffmessung nach der Winkler-Methode und durfte die CTD-Sonde mitbedienen.
Meine zweite größere Aufgabe ist die Instandhaltung der Algenkultursammlung. Dazu gehören viele kleine Aufgaben, die alle voneinander abhängen: die Algen wachsen in Kulturflaschen in einem bestimmten Nährmedium, die Nährmedien werden aus Vitamin- und Nährstofflösungen und autoklaviertem Ostseewasser hergestellt, das autoklavierte Ostseewasser muss davor filtriert werden und die Lösungen müssen erst angesetzt werden. Das ist die Vorbereitung. Dann müssen die Algen im Monatsrhythmus an der Sterilbank in frisches Nährmedium überführt werden, um ein stabiles Wachstum zu gewährleisten. Wenn man in die ganze Prozedur reingefunden hat, kommt der interessanteste Teil: zwischendurch kontrolliere ich das Wachstum der Algen unter dem Mikroskop und lerne dabei, die Arten und ihre Wachstumsphasen zu erkennen und wie empfindlich jede Art gegenüber Änderungen ist.
Ansonsten bekommt man am IOW immer wieder andere wertvolle Einblicke – durch Vorträge der verschiedenen Sektionen und den Kontakt mit den anderen (sehr tollen!) Freiwilligen, samt unseren sehr tiefgehenden, sehr horizonterweiternden, sehr ruhigen Gesprächen im IOW-Café (das können insbesondere zuhörende Kakao-, Kaffee- und Milchschaumtrinkende bestätigen). Das IOW ist als interdisziplinäres Forschungsinstitut ein extrem guter Standort, die naturwissenschaftliche Forschung als Gesamtkonstrukt und kooperatives Bestreben kennenzulernen.
Für mich geht es demnächst weiter mit der Vertiefung meiner jetzigen Aufgaben und vielleicht damit, mehr über die Datenverarbeitung nach den MARNET-Fahrten und die Zählung von Phytoplankton zu lernen. Darauf freue ich mich schon sehr!