
Freiwilliges Jahr am IOW
Fertig mit der Schule! Und jetzt…?
Das habe ich mich vor einem halben Jahr auch gefragt. Einfach die nächstbeste handwerkliche, industrielle oder kaufmännische Ausbildung anzufangen, konnte ich mir nicht vorstellen. Forschung oder etwas Ähnliches im wissenschaftlichen Bereich klang für mich zwar interessant, zu studieren traute ich mir zu dem Zeitpunkt aber noch nicht zu. Ein freiwilliges Jahr im wissenschaftlichen Bereich klang für mich nach einer guten Möglichkeit, den Anschluss von der Schule zur Arbeit/zum Studium etwas entspannter zu überstehen. Also meldete ich mich bei den internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten und fing an Bewerbungen zu verschicken. Als erstes sagte das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde zu, und ich nahm direkt an.
Und ich muss sagen, dass das Jahr für mich bis jetzt eine sehr positive Erfahrung war. Umziehen, eine neue Wohnung finden, in der Stadt ankommen und sich regelmäßige Termine für Freizeitaktivitäten zu suchen dauerte natürlich alles ein wenig, und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass das alles kein Problem und super entspannt war. Was einen im freiwilligen Jahr aber wirklich entlastet ist, dass stressiges Lernen, wichtige Verpflichtungen bei der Arbeit oder ähnliches einem nicht währenddessen ständig im Nacken sitzen. Natürlich muss man nicht nur für den Betreuer Kaffee kochen oder so, man hat schon richtige, sinnvolle Aufgaben, aber ich verspüre von der Arbeit so gut wie keinen Druck, der mich daran hindert zu lernen, im Leben selbstständig zurechtzukommen.
Wie ist es denn nun am IOW?
Am IOW gibt es einige Sektionen, die für die verschiedensten Sachen zuständig sind, damit sinnvoll Ostseeforschung betrieben werden kann. Mir wurde eine Stelle im Direktorat, speziell im Wissenschaftsmanagement angeboten. Zum Direktorat gehört der Direktor – wer hätte es gedacht, die Verwaltung, die Bibliothek, natürlich ein Sekretariat und eben das Wissenschaftsmanagement, in dem ich sitze.
Das Wissenschaftsmanagement kümmert sich um die Kommunikation von der Wissenschaft nach außen. Jahresberichte und Publikationen werden geschrieben, teilweise öffentliche Veranstaltungen werden vorbereitet und durchgeführt, Besucher werden eingeladen und ein wenig herumgeführt.
Bei diesen Dingen unterstütze ich meinen Betreuer Sven Hille und Andere aus dem Wissenschaftsmanagement, die mich nach Unterstützung fragen. Ich kümmere mich um die Organisation und Durchführung von Führungen durch unsere hauseigene Ausstellung über die Ostsee, in die des Öfteren Schülerinnen und Schüler oder einfach interessierte Leute kommen.
Wir haben einen interaktiven Kurs, mit dem Schülerinnen und Schüler mit Arduino an Messtechnik herangeführt werden. Dabei gebe ich den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern manchmal Hilfestellungen, versuche den Kurs zu verbessern, oder kümmere mich um Bestellungen für neue elektronische Bauteile, die im Kurs benötigt werden.
All diese Tätigkeiten laufen hauptsächlich in Büroarbeit am Computer, hauptsächlich über E-Mail.
Bei wissenschaftlichen Projekten helfe ich auch mit, zumindest ansatzweise. Sven Hille ist nämlich in einem Projekt, in dem Messsonden entwickelt werden, die möglichst billig sind, hauptsächlich in der Warnow eingesetzt werden (daher werden sie häufig auch „Warnowsonden“ genannt) und, nach einer Einführung, auch von Laien zusammengebaut und betreut werden können. Das Projekt ist ein wenig in der anfänglichen Testphase hängengeblieben, und von diesen Sonden ist bis jetzt nur ein einziger Prototyp im Einsatz, der vom IOW betreut wird. Ich helfe viel dabei, diese Sonde zu warten, also Akkus zu wechseln oder mit anderen zusammen Reparaturen vorzunehmen. Außerdem geht es jetzt mit dem Projekt weiter, und nach und nach werden neue Sonden gebaut, damit sie eingesetzt und von Schulen betreut werden können. Dabei helfe ich ebenfalls und komme auch ans Löten und Programmieren.
Auch außerhalb des IOW Bin ich in meiner Arbeit aktiv. Das IOW arbeitet viel mit dem MikroMINT Schülerforschungszentrum in Rostock zusammen. Dort haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, an Robotik- oder MINT Projekten zu basteln und zu experimentieren, teilweise im Rahmen von Jugend Forscht. Das Ganze wird von einem professionellen, fachlichen Team und einer großen Menge technischer Möglichkeiten, wie Mikrocontrollern, LEGO-Technik, 3D-Druck, oder Mikroskopie unterstützt. Immer regelmäßiger helfe ich dort bei der Betreuung der Schülerinnen und Schüler, und bei den Projekten, die dort entstehen.
Auch außerhalb der Arbeit wird es am IOW nicht langweilig. Die Kollegen sind alle super nett und hilfsbereit, und der Umgang miteinander ist sehr locker und auf Augenhöhe. Mit den anderen Freiwilligen am IOW habe ich außerdem viel Kontakt, obwohl wir in jeweils unterschiedlichen Sektionen sind. Die Mittagspause verbringen wir fast immer alle zusammen, und auch in unserer Freizeit treffen wir uns immer mal wieder für Unternehmungen. Wenn ich mal nichts zu tun habe und es sich ergibt, kann ich im Veranstaltungssaal des IOW wissenschaftlichen Vorträgen von Studenten und Doktoranden zuhören. Auch wenn ich Fachlich nicht immer alles verstehe, finde ich sie doch meistens sehr interessant. Man lernt etwas neues und trainiert gleichzeitig seine Englischkenntnisse, alle derartigen Vorträge werden nämlich auf Englisch gehalten. Am IOW gibt es außerdem jedes Jahr eine zentrale Weihnachtsfeier, zu der das ganze Institut eingeladen ist. Zusammen mit ein paar anderen aus dem IOW, hauptsächlich dem Direktorat, bereiten die Freiwilligen diese immer vor. Neben dem Dekorieren und Aufbauen der Räume wird oft auch noch etwas Programm organisiert. Dies wird teilweise von den Freiwilligen selbst geplant und durchgeführt, was mir bei der letzten Weihnachtsfeier auf jeden Fall Spaß gemacht hat. Auch ein Sommerfest soll in der zweiten Hälfte meines freiwilligen Jahres stattfinden, was sicher wieder ein großer Erfolg und eine tolle Erfahrung für mich wird.
Wie geht es weiter?
Neben dem schon erwähnten Sommerfest, kommt nach dieser Halbzeit meines freiwilligen Jahres noch einiges auf mich zu. Die Projekte am MikroMINT Schülerforschungszentrum und das Warnowsondenprojekt werden sich weiterentwickeln, ich werde weitere, neue Aufgaben erhalten und bestimmt noch etwas rumkommen. Bis jetzt war es bei mir noch nicht so weit, aber jede und jeder Freiwillige am IOW soll die Gelegenheit bekommen mindestens einmal bei einer Forschungsfahrt auf der Ostsee mit der Elisabeth-Mann-Borgese, dem großen Forschungsschiff des Instituts, mitzufahren. Das ist natürlich ein großes Highlight, da man dabei mitten drin in der Arbeit und dem Alltag auf einem richtigen Forschungsschiff auf dem Meer ist.
Auch in meinem weiteren Leben wird es weitergehen. Ich überlege nach dem freiwilligen Jahr zu studieren. Wo und was genau weiß ich noch nicht, ich komme aber Stück für Stück weiter. Vielleicht geht es in Richtung Meeresforschung, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht bleibe ich hier in Rostock, vielleicht ziehe ich aber auch um. Was auch immer mich in meinen nächsten Lebensabschnitten erwartet, ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses freiwillige Jahr mir gute Voraussetzungen geben wird, in diese Lebensabschnitte zu starten.