
Mein Freiwilliges Jahr in den Marinen Geowissenschaften
Vor einem Jahr stand bei mir das Abitur vor der Türe und damit auch unmittelbar die Frage, was man denn jetzt nach der Schule machen möchte. Ich wusste, dass ich nicht gleich in das Studium starten wollte, was im Übrigen gar nicht so einfach gewesen wäre, weil es mir schwerfiel, meine weiten naturwissenschaftlichen Interessen auf einen Studiengang zu beschränken. Ich wollte erst einmal mehr Erfahrung in der Hinsicht sammeln, und welcher Ort eignet sich dafür besser, als einer, der etwas, was einem am Herzen liegt, erforscht?
Das IOW hat damit perfekt gepasst: ich habe hier die Möglichkeit, mehr über meine geliebte Ostsee zu erfahren und gleichzeitig praktische Erfahrungen zu sammeln, als auch Einblicke in die wahre Forschungsarbeit zu erhalten.
Ich habe mich hierbei für die Sektion der marinen Geowissenschaften besonders interessiert. Seit September 2025 war ich vor allem in der Arbeitsgruppe Geochemie unterwegs, da mein Interessenschwerpunkt vor allem in der Chemie liegt. Diese Arbeitsgruppe erforscht unter anderem die Stoffkreisläufe der Ostsee und ihrer Zuläufe, um besser zu verstehen, wie und warum sich die Ostsee im Laufe der Zeit verändert.
Schon in der zweiten Woche hatte ich da die Möglichkeit, auf eine Probennahme in den Gespensterwald mitzufahren, bei der ich wirklich viel über meine Umwelt gelernt habe und gleich bemerken durfte, wie interdisziplinär diese Forschung ist – ein Aspekt, der meiner Meinung nach in der Schule viel zu kurz kommt.
In den ersten paar Monaten habe ich vor allem Proben für die entsprechende Messung, zum Beispiel auf den Kohlenstoffgehalt, vorbereitet. Dazu gehört zum Beispiel die Beprobung eines Sedimentkernes, und anschließend das Gefriertrocknen, Mahlen oder Mörsern dieser Proben. Aber vor allem ist erstaunlich viel sehr genau abzuwiegen auf unglaublich genauen Waagen, da lohnt es sich auf jeden Fall sowohl Geduld, als auch einen guten Podcast mitzubringen. Ich bin also im Arbeitsbereich der Technischen Angestellten tätig, die mich alle sehr herzlich aufgenommen haben und jede noch so primitive Frage gerne beantworten.
Zwischen dem alltäglichen filtrieren und Filter-abkratzen sind vor allem die Probennahmen einmal im Monat entlang der Warnow immer ein Highlight Für mich. Und mit dem Voranschreiten des Jahres und dem Erwerb weiterführender praktischer Fähigkeiten wurde es möglich, komplexere Aufgaben alleine zu bewerkstelligen. So konnte ich nun die Proben eines ganzen Bohrkerns aufbereiten, alleine destillieren (wobei ich unter anderem mit 6-molarer Salzsäure hantieren musste) und photometrisch sowie isotopisch messen, als auch die Daten auswerten. Das hat mir wirklich gefallen, vor allem als mir dann vom Arbeitsgruppenleiter genau erklärt wurde, warum diese Daten für seine Forschung wichtig sind und was der Kontext des Ganzen ist. Dadurch bekam ich das Gefühl, wirklich einen kleinen aber doch wichtigen Beitrag zu leisten.
Außerdem hatte ich das Glück, im November an einer Ausfahrt der AG der Geophysik auf dem Forschungsschiff Elisabeth Mann-Borgese teilzunehmen. Wir waren 5 Tage unterwegs um den Meeresboden mit mehreren Multibeam-Echoloten zu „scannen“, wodurch dann ein dreidimensionales Oberflächenmodell erstellt werden konnte. Das Ziel ist es, so über mehrere Jahre die Regeneration der Schäden, verursacht durch die exzessive Grundschleppnetz-Fischerei zu untersuchen. Und auch wenn Geophysik nicht unbedingt das ist, wofür ich am Meisten brenne, konnte ich wirklich sehr viel lernen, einerseits über Echoloten, Frequenzen und Schallgeschwindigkeit, aber auch über das Zugehen auf einem Forschungsschiff, einschließlich der Nachtschichten und Wellengänge. Umso mehr freue ich mich, Ende Februar nochmals an einer Ausfahrt teilnehmen zu dürfen.
Das Arbeitsklima am Institut ist wirklich angenehm, und das liegt nicht nur an der 1a Aussicht auf die Ostsee direkt aus dem Labor-Fenster, sondern vor allem an den sehr offenen Mitarbeitenden, die einen herzlich integrieren, nicht nur bei der Arbeit am Abzug, sondern auch beim Kaffee zwischendurch.
Auch der Kontakt mit den anderen Freiwilligen und Auszubildenden ist wirklich bereichernd. Wir verbringen immer zusammen die Mittagspause und können uns über alles Mögliche austauschen. Vor allem die gemeinsamen Seminare sind immer sehr aufregend, weil so viele Leute des eigenen Alters mit dem gleichen Interessensgebiet aufeinandertreffen.
Ich bin sehr froh, dass ich mich für dieses Freiwillige Jahr entschieden habe, denn es gibt mir Zeit und den erforderlichen Input, mich weiter orientieren zu können. Das ist eine echte Bereicherung, und wunderschöne Bilder vom Sonnenaufgang über der Ostsee an einem kalten November-Morgen gibt es sogar auch noch dazu!