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Forschungsfahrt zur Untersuchung von schädlichen Algenblüten in der Ostsee gestartet
Am 13. August 2026 startete das Forschungsschiff „Elisabeth Mann Borgese (EMB)“ von Rostock aus zur Expedition EMB401. Mit an Bord: Ein 13-köpfiges Team aus Forschenden des IOW, des Alfred-Wegener-Instituts (Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, AWI), des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM, Oldenburg, Deutschland), der Universität Warschau (Polen), der Linnaeus Universität (Kalmar, Schweden) und des Instituts für Meeres- und Süßwasser-Forschung (Reykjavík, Island). Das Hauptziel der Ausfahrt ist es, Risikogebiete für schädliche Algenblüten zu identifizieren.
Die Ausfahrt EMB401 ist ein essentieller Bestandteil des Projekts „BiodivGesundheit: Assessment of the effect of novel Harmful Algal Bloom (HAB) species in the Baltic Sea (HABBAL)“, das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMBFTR) gefördert wird. Die Fahrtroute führt von Rostock durch Dänische Gewässer bis ins Skagerrak, zurück entlang der Schwedischen Küste, dann an Rügen vorbei, entlang der Polnischen Küste nach Danzig, von Danzig nach Norden Richtung Gotland, um Gotland herum, an Öland und Bornholm vorbei und dann zurück nach Rostock. Auf der 18-tägigen Forschungsfahrt unter der Fahrtleitung der IOW-Biologin Ingrid Sassenhagen wird unter anderem die Verbreitung der schädlichen Algenarten Alexandrium pseudogonyaulax und Prymnesium parvum und derer Überdauerungsstadien untersucht.
Beide Algenarten produzieren giftige Substanzen und können bei massenhaftem Auftreten im Rahmen sogenannter Algenblüten zu Fischsterben und Muschelvergiftungen führen. Diese Vergiftungen sind von Nachteil sowohl für den Tourismus als auch für die Fischerei. Werden beispielsweise die betreffenden Muscheln vom Menschen verzehrt, so kann dieser schwer erkranken. Im Rahmen der Ausfahrt wird die Verbreitung der Algen mittels einer Kombination verschiedener Methoden untersucht. Zum einen wird der Gehalt der von den Algen produzierten giftigen Substanzen (sogenannten Phycotoxinen) bestimmt. Außerdem werden die Algen mit fortschrittlicher Mikroskopie erfasst und anhand von Erbgut-Sequenzen (DNA) identifiziert.
Die Fahrtleiterin Ingrid Sassenhagen erklärt, dass sich giftige Algenarten immer weiter in der Ostsee ausbreiten und potenziell ein gesundheitliches Risiko für den Menschen und die Umwelt darstellen. Sie fügt hinzu: „Auf dieser Ausfahrt wollen wir die Verbreitung einiger Algenarten, die bisher nur gelegentlich beobachtet wurden, genauer untersuchen und haben auch zum ersten Mal die Möglichkeit ihre Gifte zu detektieren. Anders als bei dieser Ausfahrt wird die Algenart Prymnesium parvum aufgrund ihrer geringen Größe im Rahmen von rein mikroskopischen Monitorings selten erfasst.“
Gleichzeitig wird mithilfe genetischer Methoden (sogenanntem Metabarcoding) die Diversität der Planktongemeinschaft (Phyto- und Zooplankton) sowie der Fische erfasst. Unter Phytoplankton versteht man mikroskopisch kleine Algen und bestimmte Bakterien (sogenannte Blaualgen) und unter Zooplankton sind tierische Organismen wie kleine Krebse und Fischlarven zusammengefasst. Durch die Erfassung dieser Lebewesen soll der Einfluss der Biodiversität auf das Auftreten von schädlichen Algenarten untersucht werden. Hierbei soll auch festgestellt werden, welche Organismen unter dem Vorkommen der Algen und ihrer Gifte leiden könnten. Zur Beantwortung dieser Fragestellung werden die Forschenden Experimente durchführen, bei denen sie schädliche Algenarten (mit einem bestimmten bekannten Giftgehalt) mit einer natürlich gemeinsam vorkommenden Planktongemeinschaft zusammenbringen und die daraus resultierenden Effekte analysieren. Außerdem werden Experimente an Bord der EMB durchgeführt, bei denen die Auswirkungen giftiger Blaualgenblüten auf das Ostsee-Nahrungsnetz analysiert werden. Parallel zur Ausfahrt extrahieren und reinigen andere Forschende im Verbundprojekt die Gifte der Algenarten Prymnesium parvum und Alexandrium pseudogonyaulax im Labor auf. Mit diesen Gift-Extrakten werden dann die Wechselwirkungen von Algengiften und in der Umwelt ebenfalls auftretendem Hitzestress und Sauerstoffmangel mit der Atmung von Fischen, sowie Wirkungen der Algengifte auf menschliche und Fischzelllinien untersucht. Die Forschungsergebnisse aus diesem Projekt werden es ermöglichen, das zukünftige Risiko von Algenblüten in der Ostsee besser abschätzen zu können.