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IOW untersucht die Physiologie australischer Korallen

Die untersuchten australischen Korallen.
Die Zilienströmungen von Korallen wurden in Australien untersucht (Foto: MPI-MM / M. Godefroid)

Das IOW mit dem interdisziplinären übergreifenden Shore To Basin (S2B) Projekt zur Küstenforschung engagiert sich neben seinem Schwerpunkt auf der Ostsee in zahlreichen internationalen Projekten der Grundlagenforschung. Eines dieser Projekte findet derzeit statt. So starteten am 24.01.2026 die dreiwöchigen Freilanduntersuchungen zur Physiologie von Korallen auf Heron Island, einer kleinen Insel im australischen Great Barrier Reef unter der Leitung des IOW-Wissenschaftlers Soeren Ahmerkamp.

Auf Heron Island untersucht er gemeinsam mit den Forschenden Mathilde Godefroid (Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Bremen), Michael Hansen (Aarhus Universität, Dänemark) und Emma Charlotte Clauder (Universität Rostock) die Physiologie von Korallen, mit besonderem Fokus auf sogenannten Zilienströmungen. Kollaborationspartner sind Michael Kühl mit seinem Team von der Universität Kopenhagen (Dänemark), Lars Behrendt (Technical University of Denmark, Kopenhagen) und Klaus Koren (Aarhus Universität, Dänemark).

Korallen besitzen auf ihrer Oberfläche Flimmerhärchen (Zilien), die Zilienströmungen erzeugen und es den Korallen ermöglichen, mit stark schwankenden Umweltbedingungen umzugehen. Sie spielen eine zentrale Rolle für den Stoffaustausch an der Korallenoberfläche, beeinflussen die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen und tragen damit wesentlich zur Widerstandsfähigkeit der Korallen gegenüber Umweltstress bei. Die Forschenden haben ein Lichtblattmikroskop gebaut, mit dem man direkt im Freiland Messungen durchführen kann und dieses nun erstmals eingesetzt, um zu messen, wie die Zilienströmungen entlang der Korallenoberfläche mit den umliegendenden Wasserströmungen interagieren.

Soeren Ahmerkamp erklärt: „Marine Hitzewellen und Sauerstoffmangel setzen Korallen zunehmend extremen und stark schwankenden Umweltbedingungen aus. Infolgedessen ist es weltweit zu großflächigen Korallenbleichen gekommen. Unsere Forschung zielt darauf ab zu verstehen, welche physiologischen Anpassungsmechanismen Korallen potentiell nutzen können, um diesen Stressoren zu begegnen. Dazu gehören auch aktive Zilienströmungen, die den Stoffaustausch und die unmittelbare Umgebung der Korallen entscheidend beeinflussen.“

Zahlreiche Organismen in der Ostsee sind ebenfalls auf Zilienströmungen angewiesen. Dazu gehören Seeanemonen (die wie Korallen zum Stamm der Nesseltiere, Cnidaria, gehören), Muscheln, Schwämme, bestimmte Algen sowie viele einzellige Mikroorganismen. Diese Strömungen ermöglichen es ihnen, Nahrungspartikel heranzuführen, Gase auszutauschen und Stoffwechselprodukte effizient abzuführen. Daher sind die in Australien erhobenen Ergebnisse und angewendeten Messmethoden auch wichtig für die Erforschung von Organismen in der Ostsee.

Mit einem maßgefertigten Mikroskop werden die Zilienströmungen der Korallen im Freiland gemessen. Foto: M. Hansen, Aarhus Universität, Dänemark

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