IOW Logo

News

Was ändert sich durch Fischereiausschluss am Ostseegrund?
Projekt KOFI geht an den Start

Gruppenbild der Teinehmenden des KOFI-Kick-off-Treffens
Teilnehmende des wissenschaftlichen Auftakts des Projekts KOFI am IOW, das die Folgen von Fischereiasusschluss für den Meeresboden untersuchen wird. (Foto: IOW / K. Beck)

Am 21. April 2026 trafen sich am IOW erstmals die am Projekt KOFI beteiligten Forschenden zum wissenschaftlichen Projektstart. Ziel von KOFI ist, nach dem Ausschluss mobiler grundberührender Fischerei im Natura2000-Gebiet Fehmarnbelt die Entwicklung der Biodiversität von Meeresboden-bewohnenden Lebewesen sowie der Kohlenstoffspeicherung im Sediment zu untersuchen. Das vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit rund 1,8 Millionen Euro geförderte Projekt ist am IOW angesiedelt und läuft bis März 2030.

Marine Sedimente spielen eine zentrale Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf, da sie große Mengen organischen Kohlenstoffs langfristig speichern. Dieser stammt aus abgestorbenen Meeresorganismen und lagert sich am Meeresboden ab. Gleichzeitig ist der Meeresgrund ein wichtiger Lebensraum: Seine Bewohner - sogenannte benthische Lebensgemeinschaften - sind wesentlicher Bestandteil mariner Nahrungsnetze und tragen als „Meereskläranlage“ wesentlich zur Funktionsfähigkeit mariner Ökosysteme bei. Benthische Habitate stehen jedoch unter starkem Druck durch menschliche Aktivitäten. Vor allem die mobile grundberührende Fischerei greift in die Struktur des Meeresbodens ein, wirbelt Sedimente auf und verändert biologische sowie biogeochemische Prozesse.

Hier setzt das Projekt KOFI (kurz für: Studie zur Entwicklung von Kohlenstoffspeicherung und Biodiversität nach Ausschluss der Fischerei im Natura 2000-Gebiet Fehmarnbelt) an. Es untersucht, wie sich der seit November 2024 geltende Fischereiausschluss im Fehmarnbelt auf die Regeneration benthischer Lebensgemeinschaften und die Kohlenstoffspeicherung auswirkt. Dafür vergleichen die Forschenden Flächen innerhalb der Schutzzone mit benachbarten, weiterhin befischten Referenzflächen und greifen zudem auf Datensätze früherer IOW-Projekte zurück, die dort zu den Auswirkungen grundberührender Fischerei und zur Verbreitung und Funktion benthischer Lebensgemeinschaften durchgeführt wurden.

Im Rahmen von KOFI kommen verschiedene methodische Ansätze zum Einsatz: Geoakustische Verfahren liefern Einblicke in die Struktur und Entwicklung des Meeresbodens, während molekularbiologische und bildgestützte Methoden Veränderungen in der Biodiversität sichtbar machen. Ergänzend werden Prozesse der Kohlenstoffspeicherung in Sedimenten und benthischer Biomasse quantitativ untersucht.

Das Kick-off-Treffen am IOW mit rund 20 Teilnehmenden markierte den Auftakt für die gemeinsame Arbeit. In Fachvorträgen stellten die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Ansätze vor und diskutierten, wie sich die verschiedenen Methoden sinnvoll verzahnen lassen. Im Austausch wurden zentrale Arbeitsschritte abgestimmt und die Grundlage für die kommenden Projektphasen gelegt.

KOFI will sichtbar machen, wie sich der Verzicht auf Fischerei am Meeresboden auswirkt – sowohl für die Biodiversität als auch für die Kohlenstoffspeicherung. Letztlich sollen die Ergebnisse dazu beitragen, Schutzmaßnahmen für empfindliche Sedimentgebiete künftig fundierter und wirksamer zu gestalten.

Zurück